Tirol, Tirol – eine GäMSenfahrt

2018 ist ein überaus erfolgreiches Jahr für uns GäMSen. Nach dem 1 .Platz der Sterne des Sports auf Bundesebene, dem großen goldenen Stern mit toller Siegerehrung in Berlin und der erst kürzlich ausgelobten Nominierung für den Deutschen Engagementpreis 2018, geht es weiter steil bergauf. Da ist es nicht verwunderlich, dass genau dieses Jahr wieder eine große GäMSen-Fahrt anstand, deren Planung natürlich weit vor den diesjährigen Erfolgen begann.

Die GäMSen mit Moni und Toni, unseren Gastgebern im „Gurgeltalblick“

Die Wahl des Ortes fiel nach vorheriger Recherche und Erprobung auf Nassereith, einer kleinen Gemeinde des Bezirkes Imst in Tirol, Österreich.
Im Gasthof Gurgtalblick empfingen uns die zwei liebenswerten Gastwirte Moni und Toni, die uns 48 GäMSen mit Ihrer großen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit einen Bärendienst erwiesen und die Ihr Hotel in der Woche kurzerhand mit selbstgebauten Rampen und „allem-irgendwie-möglich-machen“ in eine wunderbare Herberge für uns wilden Haufen verwandelten. Vielen lieben Dank an euch und euer Team! Ihr seid spitzen Gastgeber!

Moni nimmt die von Andreas „Uhrenmeister“ selbstgemachte und berühmte GäMSen-Uhr entgegen

Der Mensch versucht meist den Vergleich zu Vergangenem zu ziehen und man ist geneigt, das eine mit dem anderen zu messen. Auch wir GäMSen unterliegen einer Entwicklung, einer Dynamik, als Gruppe und als Gemeinschaft und alles ist im steten Wandel und irgendwie anders und das gilt es auch immer so zu nehmen wie es kommt, ebenso, wie es unsere Erkrankung mit sich bringen kann. Und aus diesem Blickwinkel betrachtet, bot die Fahrt im Vergleich zu den Vorjahren viel Neues, viele neue Herausforderungen, nicht zuletzt dadurch, dass wir zu einer großen Truppe herangewachsen sind. Viele derjenigen die auch im Jamtal, unserer ersten Fahrt dabei waren konnten feststellen, dass es andere Möglichkeiten gibt wenn man in einem Ort, im Tal, umgeben von Bergen und zig Möglichkeiten, auf Mobilität und Flexibilität angewiesen und eingestellt sein muss. Im Jamtal 2015 hatten wir die Hütte auf dem Berg, unser Gebiet war klar abgesteckt und nun, 2018 boten sich uns Ausflusgziele an, die es in Anfahrtsweg, Tagesplan und persönlichem Rahmen zu organisieren und einzuschätzen galt.

Beginnen wir mit der Fahrt als solche. Für das Klettergebiet nicht angemessen schien ein großer gemeinsamer Bus zur Anfahrt und für die Vorort-Fahrten. Zu eingeschränkt wäre man gewesen und hätte nicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unsere Handicapler eingehen können. Mit Kleinbussen, 4 Stück an der Zahl und dem ein oder andere Privatfahrzeug waren wir bestens ausgerüstet und konnten individuell und parallel die angebotenen Tagesaktionen ansteuern.

Organisation ist alles – die morgendlichen Abfahrten bedurften einer aufwendigen und teils anstregenden Abfrage verschiedenster Punkte. Hat jeder das, was er für den Tag braucht? Braucht jemand Unterstützung beim Einladen? Wer fährt mit wem? – Und Überhaupt: Sind alle da?

Das führt uns direkt zu Punkt zwei, den

Tagesaktionen

Mit knapp 50 Menschen gar nicht so einfach und jeder bringt zudem eine andere Tagesform mit sich. Was macht man also? Man bietet verschiedene Pakete an und was sich tatsächlich wie der Traum eines Faultieres auf Wellness-Urlaub all inclusiv anhört, war bei uns GäMSen in der Woche Realität. Wozu habe ich heute Lust? Ich habe die freie Auswahl!

Unsere Helfern und Mitstreitern, den Planern und Nachdenkern, den Mutmachern und Vertrauenspersonen: Allen gilt unser riesen Dank!
Nichts ist selbstverständlich. Freizeit wird hergegeben, uns eine Auszeit, ein Erlebnis, neuen Mut zu schenken, – das ist nicht hoch genug zu schätzen und sollten wir ab und an einfach mal im Hinterkopf behalten, denn auch das ist eine Merkmal unserer Gruppe: Das soziale Miteinander, – dass was uns zusammenschweißt. Jeder nimmt sich hierfür ein Stück zurück, so und nur dann kann die Gemeinschaft gelingen.

Am ersten Tag nach der Anreise gab es eine erste gemeinschaftliche Aktion das Klettergebiet zu erkunden und allen den Eindruck zu geben, was uns in dieser Woche erwartet. Es ging an die Engelswand in das Klettergebiet Tumpen, einem anfängerfreundlichem Klettergebiet im benachbarten Ötztal. Nahegelegene WCs und eine recht ebenerdige Infrastruktur boten uns GäMSen einen guten Platz und ausreichend Routen, die wir bewältigen konnten.

Ankunft am Parkplatz des Klettergebietes Tumpen und ihrer Engelswand.
Der Weg zur Engelswand, bis auf etwas Schotter am Ende der asphaltierten Straße, gut zu erreichen.
Die Routen sind eingerichtet, die GäMSen sind „heiß“
Ausruhen für den Weltfrieden – oder ein jeder wird mal müd´ – Danke dir, Oh du Sonnensegel

Das zweite Klettergebiet tat sich in Längenfeld auf. Über einen kleinen Parkplatz mit Toilette, ging es über einen Trampelpfad  einer Kuhweide und parallel zu der benachbarten Ziegengehege zum Fels, der mit vielen Routen ebenfalls Spots bot, immer berücksichtigend, welcher Einstieg für wen unserer GäMSen machbar wäre. Ganz zauberhaft war die Umsicht unserer Helfer, jedem die Chance zu geben, nach seinen Möglichkeiten die Wand zu bezwingen. Unermüdlich wurde in den Routen gesichert, die Routen neu eingerichtet oder mit Rat und körperlichem Einsatz  manch eine „müde GaMS“ an die Wand gebracht.

Björn verteilt Kusshände…
…und der Rest schaut ihm dabei zu
Und dann kam auch noch ne Kuh – aber Karin hat mit ihr „geredet“ . Ein kleiner, sehr mutiger Stups und die Decke wurde nicht weiter angeknabbert.

Das unterschiedliche Potential der Gruppe im Blick wurde auch das Begehen eines Klettersteigs beim Stuibenfall ermöglicht. Man merkte der Truppe bei der Heimkehr an, dass sie an diesem Tag wundervolle Natur und große körperliche Leistung lohnend in Einklang brachten und man blickte in teils erschöpfte aber umso mehr selige Gesichter. Einen großen Dank an Thomas, der den Steig vorrausschauend und in Blick auf jeden der Teilnehmenden plante und den Tag für einige von uns unvergessen gemacht hat!

Drahtseil-Tanz über dem Wasserfall

Eine weitere Aktivität war der Pitztal-Gletscher, Tirols höchste Spitze. In der Gemeinde St.Leonhard gelegen, am Ende des Pitztals, ging es mit der Bergbahn hoch hinauf. Der Gletscher-Express beförderte uns auf die erste Plattform, auf 2840m, wo es dann mit der Wildspitzbahn, einer Gondel hinauf auf die Aussichtsplattform mit Rundumblick in die Bergwelt Tirols ging. Mit dem Rollstuhl die 3440m zu erreichen ist allein schon ein Erlebnis und schenkt einem einen unvergesslichen Moment trotz Behinderung, diese traumhafte Aussicht genießen zu können. Auf der Sonnenterrasse mit Panorama-Rundumsicht genossen wir diesen tollen Ausflug in vollen Zügen.

Der Gletscher-Express. Im Gepäckabteil fanden alle Rolli-Fahrer Platz, auch wenn der ein oder andere Rollator da noch Platz auf dem Schoß finden „musste“
Die Wildspitzbahn – die Gondeln wurden durch Mitarbeiter verlangsamt, jeder Rollifahrer und auch die Rollatoren-Gänger konnten bequem ein- und aussteigen
Toni – unser Mann für den Gletscher-Express
Bergpanorama auf 3440m

Bereicherungen

Die Gruppe wächst und das ist eine Bereicherung. Denn sie wächst nicht nur mit zauberhaften neuen und auch mal –Verzeihung- reiferen GäMSen  (euer Zuspruch für die Helfer und die spendierten Getränke war eine tolle Geste einmal Danke zu sagen- Eine klasse Aktion !!), die Gruppe wird auch in Bereichen erweitert, die ab davon liegen, Klettersport zu betreiben.

Ein neuer Bereich dieser Reise schaute auf die Seele unserer Menschen mit Behinderung. Wie geht es uns eigentlich? Was tun wir um uns zu entspannen? Wie halten wir Rückschläge aus? Wie können wir uns bestärken? Anke und ihr Mann André waren dieses Jahr unsere Gaststar-GäMSen in dieser Fragestellung. Anke bot als Heilpraktikerin für Psychotherapie ( Ihr erinnert euch an Petras Erfahrungsbericht ) ein tolles Programm, parallel zum Sportgedanken der Gruppe. Mit Meditation, Entspannung und der Möglichkeit zum persönlichen Gespräch, hatten wir GäMSen einen Zugewinn, für den wir uns ganz herzlich bedanken möchten.

Mit dem Rolli kneippen? Kein Problem!

In der Nähe des Hotels liegt ein Kneipp-Becken mitten im Wald. Gut auch mit dem Rollstuhl zu erreichen. Während an manchen Tagen viele von uns, das eiskalte Becken als neue Mutprobe sahen; Peter und Natascha sind die ungekrönten Langzeit-Steher dieses beißenden Teufelsbeckens, bot der Ort auch einmal die Möglichkeit eine „Berg-Mediation“ auszuprobieren. Wir stellten uns unseren Lieblingsberg vor und durch unsere Vorstellungskraft wurden wir zu diesem Berg, mit allem was einen Berg ausmacht: Massivität, Größe, Strahlkraft und Beständigkeit oder was eben ein jeder mit einem Berg assoziiert. Anke ist eine tolle Leitung für diese „Reisen“ und wir haben für uns viel mitnehmen können und Anregungen erhalten Entspannung und Achtsamkeitsübungen in unseren Alltag einfließen zu lassen. Ganz große Klasse, Anke und lieben Dank für deinen Einsatz!

Mitten im Wald – ganz entspannt
Zusammenfinden konnte man sich gut auf der Außenterasse des Hotels

War einer GaMS mal nicht nach sportlicher Aktivität boten sich auch in Nassereith selber Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Den Ortskern konnte man u.a. durch den Wald am Kneipp-Becken vorbei über ebenmäßigen Waldboden recht schnell erreichen. Dort fand man neben Supermarkt und Kiosk auch einen kleinen Badesee, der zur Erfrischung der müden Knochen beitrug und eine Eisdiele mit vielen leckeren Eiskreationen zur Auswahl.

Gemütliche Abende bei Gitarre und Klatsch gab es auch

Uns GäMSen war eine bunte Auswahl gegeben und wir konnten viele unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse mit nach Hause nehmen, jeder für sich und alle gemeinschaftlich. Auch in einer großen Runde findet jede GaMS ihren Halt und ihren Platz, dass jedes mal aufs Neue zu prüfen sollte in unserem aller Interesse sein. Eine letzte Abstimmung vor der Abreise hat ergeben, dass sich die GäMSen auch in Zukunft die Bergwelt von unten erschliessen wollen. Wir sind gespannt, welchen Ort wir uns beim nächsten Mal ansehen dürfen, vielleicht in 2021?

 

Deutscher Engagementpreis 2018

Die GäMSen freuen sich über die Nominierung zum Deutschen Engagementpreis 2018 in der Kategorie Sport. Die Bekanntgabe erfolgte am vergangenen Samstag durch Vertreter des DOSB. Ab September wählt eine Jury die Preisträger aus mehreren Bereichen aus, – im Dezember findet die Verleihung erneut in Berlin statt. Ein Publikumspreis wird ebenfalls ausgerufen.

WIr GäMSen bedanken uns ganz herzlich beim Deutschen Olympischen Sportbund, der betont, dass die riesen Leistung als Bundesfinalsieger im Rahmen des Goldenen Stern des Sports 2017 weiter Anerkennung verdient, denn wir GäMSen machen bekanntlich : Immer weiter ! 

Glück auf!

Hier geht es zur Seite des Deutschen Engagementpreises

 

Ein Tag und eine Nacht unter Freunden

Geschichten über Freundschaften gibt es viele, doch die Geschichte die uns mit dem Sauerland und den dort lebenden Braunshausenern verbindet ist eine echt einmalige und wunderbare.

Wir GäMSen lernten den Sportverein Grün-Weiß Braunshausen 1974 während der Veranstaltungen rund um die Nominierung des Goldenen Stern des Sports 2017 kennen. Zunächst In Düsseldorf bei der Verleihung des silbernen Sterns, wo Braunshausen nur knapp am Sieg vorbei schlitterte und später dann in Berlin, wo es um den goldenen Stern ging.  Diese besondere Truppe gewannen am Vorabend der Preisverleihung des Bundesfinals in Berlin,  den grandiosen 2.Platz des Publikumpreises.

An diesem besonderen Abend trat das Braunshausener „Orakel“ Karl-Heinz in Aktion und prophezeite den GäMSen den klaren Sieg im Finale um den goldenen Stern.

Darauf gab unser GäMSen-Peter folgendes Versprechen an die sympathischen Braunshausener: Für den Fall, dass die GäMSen tatsächlich den 1.Platz der Sterne des Sports 2017 gewännen, würden wir eine Party  gemeinsam mit allen Braunshausenern, in Braunshausen im Sauerland veranstalten. Bier und Grillfleisch würden die GäMSen mitbringen.

thumbnail of artikel_komplett[1458]
Artikel im Sauerland Kurier mit der Ankündigung des gemeinsamen Feierns
Was geschah? Die GäMSen kamen, siegten  und….feierten gemeinsam am 30.06.18 mit den Braunshausenern die Super-Freundeparty.
Oberhalb des frisch eingeweihten neuen Dorfplatzes folgten, sehr zu unserer Freude, etliche Braunshausener unserer Einladung.

 

Das Wuppertaler Brauhaus,  in Person des Herrn Hubingers, stiftete für diesen besonderen Tag sein Wuppertaler Bräu vom Fass, sowie riesen Mengen an Würstchen und Steaks. Es ist müßig zu erwähnen, dass das Wuppertaler Bier auch den zunächst skeptischen Sauerländern schmeckte. Die Braunshausener ihrerseits hatten sich um die gesamte Orga, Festzelt und alles Andere gekümmert, wie auch um Getränke die nicht mit dem angenehmen Zusatz des Alkohols versetzt waren. Die Braunshauserener haben uns gezeigt, dass viele aus ihrem Kreis immer zur Stelle sind, wenn es darum geht zu helfen. Trotzdem muss hier ganz klar ein Kreis von liebenswerten Menschen hervorgerufen werden, nämlich auf der einen Seite die unermüdliche Elke, ohne die nichts gegangen wäre. Sie war der treibende Geist hinter all dem, aber nichts desto trotz wäre wohl auch ohne die Familie „Lingen“, mit Günther, Uli und Karlheinz nichts aus der Party geworden. An dieser Stelle einen riesen tollen Dank an sie Alle und all die helfenden Hände, die sich um uns Gäste so nett bemüht haben. Hier gebührt Reinhilde ein Ehrenplatz, sie hat tapfer als Letzte bei den GäMSen ausgehalten und mit ihnen in den Morgen gefeiert.

Von Verein zu Verein wurden Geschenke und Andenken ausgetauscht.
Unser GäMSen-Peter mit dem tollen Geschenk der Braunshausener : Unser Gruppen-Erinnerungsfoto auf Leinwand !

Dank auch an unsere Helfer Maike, die den Transport von Bier- Fleisch und GäMSenpeter am Vortag übernahm und liebsten Dank an Caro und Flo, die uns alle mit riesen Ausdauer am Grill verköstigten. Auch Britta, unser Bankdame, die uns bereits nach Berlin begleitete, nahm mit ihrem Mann am Fest teil, ebenso wie ihr Sauerländer Gegenstück, Frank Segref.

Elke nahm für Ihren Verein stellvertretend die originale “ GäMSen-Uhr“ unseres Uhrmeisters Andreas entgegen

Als „weit angereiste Gäste“ nächtigten etliche
GäMSen im Ort, größtenteils im extra zur Verfügung gestellten Vereinsheim des Dorfes. Am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück klang das schöne Wochenende mit den Braunshausenern aus.

Ein extra angefertiges Willkommens-Plakat für uns GäMSen <3
Die Uhr hat ihren Ehrenplatz bekommen

Wir GäMSen bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft und wir freuen uns auf ein Wiedersehen, nächstes Jahr, das steht schon fest!

In den frühen Morgenstunden wurde manch einer gar noch kletterwütig.

 

Gemeinsam geht es hoch hinauf

Glücksgefühle, wenn „GäMSen“ zum 1. nationalen Paraclimbing- Wettbewerb 2018 des DAV Karlsruhe fahren.

„1. Nationaler Paraclimbing-Wettbewerb“ klingt interessant und —

war es auch!

Doch der Reihe nach. Als bei uns Gämsen die Information über den 1. nationalen Paraclimbing Wettbewerb aufschlug, haben wir uns mutig und spontan mit sechs Gämsen angemeldet. Warum auch nicht. Wir wollten ja einfach nur mal schauen, was das ist.

Die Konsequenzen wurden uns erst kurz vor dem Stichtag klar, als langsam die Erkenntnis reifte, das wir dort vor den Augen der Zuschauer als Teil der Athleten klettern würden, das Hotel und die Bahnfahrt gebucht waren und es somit kein Zurück gab.

Wahnsinn, was hatte uns da nur geritten?

Also haben wir uns am Vortag des Wettbewerbs zu sechst auf die Reise zum DAV Kletterzentrum in Karlsruhe gemacht. Einige fuhren mit dem Zug und andere mit dem Pkw.

Interessanterweise verlief der Abend noch völlig relaxt. Wir hätten vielleicht nur nicht so lange klönen und vor Mitternacht ins Bett gehen sollen.

Dementsprechend müde und schon ein wenig aufgeregter sind wir dann am nächsten Morgen zum Kletterzentrum gefahren.

Dort angekommen haben wir sogleich die besondere Atmosphäre verspürt. Armin Kuhn und das gesamte Orga-Team haben uns herzlichst in Empfang genommen. Jetzt nur schnell noch die Wettkampf-T-Shirts holen und dann fix einen Blick in die Kletter- und Boulder-Halle werfen und die Routen studieren.

O.K. Vom ersten optischen Eindruck her sahen sie eigentlich ganz einfach aus. Dem war aber gar nicht so! Der Punkt „Routenlesen“ ist wohl noch ausbaufähig.

Nach den üblichen Begrüßungsreden fiel dann auch pünktlich um 10:00h der „Startschuss“.

Unfassbar, wie der Puls nach oben schnellte und die Aufregung durch die Decke ging. Dazu kam diese irre Hitze des Tages. Wir Neuros mögen das ja nicht wirklich. Glücklich waren die, die ein Kühlshirt dabei hatten.

Und dann waren da natürlich auch noch diese „lästigen“ Gedanken, wie es wohl mit den uns nicht vertrauten Sicherungspartnern klappen würde. Doch glücklicherweise war diese Sorge mit dem ersten Kontakt wie weggeblasen. Stattdessen waren wir dankbar für ihre unterstützenden und motivierenden Worte, die uns viel Mut machten.

Klettermodus:

An kurzen Routen in der Boulderhalle kletterten:

  • Sehbehinderte
  • Rollstuhlfahrer

Alle anderen Teilnehmer kletterten an langen Routen in der eigentlichen Kletterhalle. Sie wurden unterschieden nach:

  • Armamputierungen
  • Beinamputierungen
  • geistige Behinderungen
  • neurologische Behinderungen

Darüber hinaus wurde nach Damen und Herren unterschieden, so dass sich insgesamt 12 Wertungen ergaben.

Übergreifend galten folgende Regeln:

  • geklettert wird ausschließlich im Toprope
  • keine offizielle Zeitbegrenzung, wobei 5 Min. pro Route nicht überschritten werden sollten
    (Ausnahme Rolli-Fahrer: 20 Min.)
  • gesichert wird durch erfahrenes Sicherungspersonal des Veranstalters
    (eigenes Sicherungspersonal kann eingesetzt werden)
  • geklettert werden maximal 6 Routen (Laufzettel)
  • je erreichte Höhe gibt es die angeschriebene Punktzahl
    (kurze Routen maximal 5, lange Routen maximal 10 Punkte)
  • die Summe der erreichten Punkte aus allen Routen ergibt die Platzierung
  • Bei Gleichstand kommt es zu einem Stechen

Äußerst bewegend waren die Kletterleistungen dreier gleich platzierter armamputierter Damen. Hierbei schienen die Emotionen im Publikum regelrecht überzukochen.

Bei der Preisverleihung konnten es einige von uns gar nicht glauben, als ihre Namen von Armin aufgerufen wurden und es war schon sehr bewegend auf dem Siegertreppchen gestanden zu haben. Hierbei spielte es keine Rolle, ob es sich um den ersten, zweiten oder dritten Platz gehandelt hat.

Wahnsinn: Wir konnten es kaum glauben so gut abgeschnitten zu haben:

  • Damen Rollstuhl: Sanna 1. Platz
  • Damen neurologische Behinderungen: Birgit 2. Platz
  • Damen neurologische Behinderungen: Magdalena 3. Platz
  • Herren Rollstuhl: Achim 3. Platz
  • Herren Rollstuhl: Norbert 4. Platz
  • Herren neurologische Behinderungen: Frank 9. Platz

Zu Franks Ehrenrettung sei gesagt, dass er geklettert ist wie der Teufel aber in einem Feld von 12 Teilnehmern, davon 6 Athleten aus dem Nationalkader, einfach nicht besser abschneiden konnte.

Eins ist sonnenklar: Wir kommen wieder! Das ist sooooooooo sicher für uns GäMen

Text: Magdalena Felderhoff, Thomas Raddatz

 

Über mein Seelenheil und meine Erfahrung mit Anke

Ein Erfahrungsbericht von Petra Weigel

So sah ich aus, dafür bin ich heute weiser

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo liebe/r Leserin/Leser,

mit diesem Bericht begebe ich mich ins Neuland und habe das Gefühl, auf sehr dünnem Eis zu wandeln. Der Ausgangspunkt war, dass ich mit einer Freundin ins Gespräch kam, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Menschen mit psychischen Problemen weiterhelfen zu wollen.

Der Name der Freundin ist Anke Messer-Kurpiers. Sie arbeitet seit über 30 Jahre in der Stiftung Tannenhof, wo sie sich zur Gesundheits- und Krankenschwester ausbilden ließ. Nach Jahren der Fort- und Weiterbildung wurde sie Heilpraktikerin für Psychotherapie. 2016 hat sie ihre eigene Praxis in Remscheid eröffnet. Ihr Ehemann – selbst Psychiater und Psychotherapeut – leidet seit vielen Jahren an einem Hirntumor. Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb sie eine so große Empathie für Menschen mitbringt.

Wir kennen Anke Messer-Kurpiers und ihre Familie seit vielen Jahren über die damalige Kinder-Klettergruppe der Sektion Wuppertal, in der sowohl unser Sohn, als auch ihre Zwillings-Töchter kletterten. Ihr Tätigkeitsfeld ist vielfältig und umfasst unter anderem:

  • dabei zu helfen, fürsorglich mit sich selbst zu sein und die eigene Situation anzunehmen
  • den Umgang mit den eigenen Gefühlen und Gedanken zu verbessern
  • Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstbewusstsein weiter zu entwickeln
  • Veränderungen des eigenen Verhaltens und auch die damit verbundenen Auswirkungen in Betracht zu ziehen
  • destruktive Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern
  • die Erkrankung besser zu verstehen

Sie arbeitet sowohl in Einzelgesprächen als auch in Gruppentherapien. Die Zielgruppen der Menschen, mit denen sie arbeitet, sind zum einen natürlich die Betroffenen selbst, aber auch die Angehörigen. Sie ist eine Frau, zu der man leicht Vertrauen fasst und sich öffnen kann.

Vor dem Hintergrund des großen Fundus an beruflicher Erfahrung hatten wir die Idee, dass sie und die Gämsen sich gegenseitig gut unterstützen könnten, da ja doch so einige von uns das ein oder andere ungelöste Problem mit sich herumschleppen. So kam die ganze Sache ins Rollen. Es ging jetzt also darum zu testen, wie eine Zusammenarbeit mit Anke aussehen könnte, um dann in einen Bericht davon zu erzählen, so dass ihr Leserinnen/Leser Euch ein eigenes Bild davon machen könnt.

In diesem Bericht geht es also um die Zusammenarbeit zwischen Anke und mir. Sie schlug vor, dass wir uns zunächst an drei aufeinanderfolgenden Wochen für jeweils ca. 1,5 Stunden bei ihr treffen sollten.

Für unsere 1. Sitzung hatte Anke, etwas für mich Besonderes vorbereitet. Wir begannen mit einem Rollenspiel, was mir in einer Psychotherapie noch nie begegnet ist und ich war total gespannt, was da auf mich zukommen würde. Ich hatte also zunächst die Wahl, ob ich erst meine Position oder die der anderen Person einnehmen wollte. Ich wählte zunächst meine Position und Anke somit die meines Gesprächspartners und wir führten ein Gespräch über ein von mir gewähltes Thema.  Im Anschluss besprachen wir die Gesprächssituation und veränderten jetzt die Positionen. Diesmal übernahm Anke meine Rolle und ich die der anderen Person.  Es war eine sehr interessante Erfahrung, das Gespräch aus einer ganz anderen Sicht zu führen. Es war bereichernd und ich denke, dass es mir tatsächlich weiterhelfen wird. Zum Abschluss dieser Sitzung nahm ich das Gefühl mit nach Hause, in Zukunft auftretende Situationen nun auch aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.

In der zweiten Stunde machte sie mit mir einen „Bodyscan“. Das ist eine Art der Meditation, in der sie mich mit ihrer Stimme durch meinen Körper führte. Es ging darum, die einzelnen Körperteile zu betrachten und zu schauen, wie diese sich für mich darstellen. Ich sollte meinen Körper wie sie es nennt, liebevoll betrachten. Mit dem liebevoll hatte ich zunächst ein Problem. Sie erklärte mir dann, dass ich ja z. B. auch unseren Sohn liebevoll betrachten würde und so sollte ich es auch mit meinem eigenen Körper halten. Damit konnte ich was anfangen. Ich lag also auf dem Boden, auf einer bequemen Matte unter Decken und wir fingen bei den Zehen an und arbeiteten uns nach und nach bis zum Kopf hoch. Die Reise durch den Körper begann bei den Zehen, den Zwischenräumen zwischen den Zehen, der Ferse der Wade, langsam immer weiter bis hoch zum Kopf. Ich konnte meine einzelnen Körperteile betrachten ohne meine Einschränkungen, von denen ich da ja viele habe, wahrzunehmen. Das war eine total interessante Erfahrung. Es war ein wenig das Gefühl, als würde sich der Geist vom Körper lösen, so als wäre ich nicht in meinem Körper gefangen, denn manchmal empfinde ich so, als wäre das der Fall. Da war dieser Bodyscan eine sehr gute Inspiration, ich fühlte mich danach leichter und beschwingter.

Die 3. Stunde verbrachten wir zu dritt gemeinsam mit Peter (meinem Mann). Es war angelegt, wie man es aus Filmen kennt z. B. bei einer Paartherapie. Auch dieses Gespräch, geführt unter professioneller Leitung, war sehr hilfreich und erhellend. Anke hat quasi als Dolmetscherin fungiert. Sie hat zwischen Peter und mir vermittelt und es uns erleichtert, den anderen zu verstehen.

Nach jeder der 1,5 Stunden schlug sie vor, unsere ganze Sitzung vielleicht etwas spielerisch zu beenden und fragte, ob ich Interesse an „schamanischen“ Karten hätte. Diese „schamanischen“ Karten bestehen aus einem Stapel Karten, etwa DIN A6 groß und auf jeder Karte befindet sich ein Tiersymbol. Dieser Kartenstapel wird jetzt bei geschlossenen Augen in die Hand genommen und mit weiterhin geschlossenen Augen lässt man seine Finger darüber streichen, bis man eine Karte erfühlt, die dann dem Stapel entnommen wird. Nun kannst du dir das abgebildete Tier anschauen und Anke hat ein Büchlein, in dem die Natur dieses Tieres beschrieben wird. In meinem Fall war es jetzt so, dass alle 3 Male, die Karte tatsächlich zu mir, aber auch zu dem Thema der Sitzung passte. Die Idee dahinter ist, dass eigentlich die Karte, sprich das Krafttier dich aussucht und nicht umgekehrt. Zu solchen Dingen mag jeder stehen wie er möchte, es war auf jeden Fall verblüffend und setzte einen entspannenden Akzent zum Abschluss.

Aus meiner Sicht hat Anke es geschafft, mir einen neuen Blick auf mich selbst und meine Situation zu geben. Fragen, die mich beschäftigen, zu beantworten oder den Weg zur Beantwortung aufzuzeigen und ebenso Dinge klarer und aus einem anderen, oft neuen Blickwinkel zu sehen. Natürlich sind 3 Sitzungen weder eine Therapie, noch eine ausreichende Behandlung. Es hat aber gereicht mir ein Bild über das zu vermitteln, was Anke in der Lage ist für mich oder jemand anderes zu tun.

Für mich ist das Fazit der drei Begegnungen, dass Anke einem helfen kann. Aus meiner Sicht gebe ich eine klare Empfehlung für die Zusammenarbeit mit ihr ab. Wenn es im Einzelfall zu Schwierigkeiten kommen kann Remscheid zu erreichen, macht sie auch Hausbesuche.

Unsere Idee ist, einen Gesprächskreis mit Anke zu bilden, der alle 2 Wochen, immer zur selben Zeit und am selben Ort in Wuppertal stattfinden könnte. Wer daran interessiert ist, kann sich gerne bei uns melden.

Schaut doch mal auf ihrer Internetseite vorbei: