Das 1. Mal am Naturfels

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Unsere 1. Fahrt an die Felsen war vom 28.05. – 30.05.2014 geplant. Der Termin war gewählt worden, weil in diesen Zeitraum auch Christi Himmelfahrt fällt, also ein langes Wochenende angesagt ist. Wir hatten für diese Zeit von unserer Sektion die „Sauerlandhütte“ gemietet. Sie liegt ganz in der Nähe von Winterberg im Sauerland und strategisch günstig, zu einer ganzen Reihe von Klettergebieten.

Vorab waren Michael Horst und ich im März schon einmal für ein Wochenende da, um die Gebiete auf ihre Tauglichkeit hinsichtlich unserer Handicapgruppe zu überprüfen.
Das war ein ganz schön hartes Ringen, denn es zeigte sich schnell, dass kein Gebiet für alle Teilnehmer geeignet war, entweder war der Zustieg nicht möglich, oder die Wände waren im unteren Bereich zu schwach geneigt, so dass es für Rollifahrer dort nicht ging, da sie eine senkrechte Fläche benötigen.
Als besten Kompromiss stellte sich die Kletterwand direkt an der Hütte heraus. Hier gab es einige Routen im unteren Schwierigkeitsbereich und vor Allem, eine super gerade Fläche vor dem Felsen, so dass wir es uns wahrscheinlich gemütlich machen könnten.

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Nach den wahnsinnig schönen und warmen Tagen in März und April, hofften wir natürlich auch für unser Wochenende auf super Wetter. Aber Schnecken, mindestens einer hatte sein Tellerchen nicht leer gegessen und der Anreisetag sowie der 1. Klettertag fielen buchstäblich in’s Wasser.

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Unserer Stimmung allerdings tat das überhaupt keinen Abbruch. Am Anreiseabend grillte Andreas wie ein ganz großer unter’m Pavillon und als wir die Zimmer bezogen-, die Hütte eingeräumt- und die Tische gedeckt hatten, war er auch mit dem  Grillen fertig und servierte wie auf’s Stichwort. Somit war der Einstand schon mal zu 100% erfolgreich.
Den nächsten, verregneten Tag, begannen wir nach einem super Frühstück mit einer Besichtigung der Klettermöglichkeit, was zumindest schon mal den Einen oder Anderen vor Vorfreude die nasse Wand betasten ließ.
Zurück in der Hütte standen dann Dinge wie Tischklettern und Geschicklichkeitsspiele an.

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Dann kam einer unserer besonderen Punkte, nämlich das Tanzen. Jetzt aber nicht so halblahm geschwoft, sondern unter Anleitung unserer professionellen Tänzerin Gabi wurden Namen und Geschichten getanzt. Das brachte nicht nur die vorsichtig aufkeimende Langeweile in’s Abseits, sondern war auch für eine ganze Reihe von Lachern gut.

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Leider konnten Anna, Olaf,Andreas und ich nicht bis zum Schluss dabei sein, da Olaf sein über alle Grenzen bekanntes Curry zubereiten wollte und dazu wurde natürlich eine Menge Hilfe zum Schnippeln gebraucht. 🙂

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Nach diesem fantastischen Essen, wurden die Bäuche wieder abgetanzt, diesmal aber „oldfashion“, zu guter Rockmusik. Dann hieß es, „noch einmal schlafen“, denn für den nächsten Tag war schönstes Wetter vorhergesagt.

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So kam es denn auch und nach einem wieder Mal genialen Frühstück ging es dann endlich an den Fels. Als Besonderheit hatten wir diesmal eine Chemietoilette dabei, die in einem eigens dafür angeschafften Zelt zu stehen kam. Sie wurde als 1. aufgebaut und fortan brauchten wir uns nicht um ein stilleres Örtchen bemühen.

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Es wurden nun einige Routen eingerichtet und dann fröhlich drauflos geklettert.

IMG_4485Das Wetter war zwar nicht so dolle wie es eigentlich hätte werden sollen, aber wer kletterte, der wurde auch warm. Die Anderen mussten sich in Decken hüllen, bis sich dann zaghaft die Sonne zu zeigen begann.

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Wir können glaube ich sagen, dass Alle hervorragend mit dem Klettern am Naturfels zurecht kamen.
Alle, nein, eine einzige kleine Person leistete Widerstand. Petra hatte trotz aller Bemühungen keine Chance, es den Anderen gleich zu tun. Mit dem Rollstuhl zur Wand, das war noch ein Klacks, aber dann ging nichts mehr. Das ist ihrem letzten Schub geschuldet, der sie ganz ordentlich zurück geworfen hat. Trotzdem hat sie die Anderen angefeuert und es gab auch kein schiefes Gesicht von ihr, nicht mal im Ansatz.

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Das Klettern draußen unterscheidet sich von dem in der Halle vor Allem dadurch, dass es fusslastiger ist und dass sehr viel mehr probiert werden muss, bis ein Tritt oder Griff als belastbar befunden wird. Ich war erstaunt, wie gut alle mit diesen, ja doch ganz neuen Gegebenheiten zurecht kamen und bei einigen wurde es wohl auch so etwas wie Liebe auf den 1. Griff, denn sie kletterten wie die Teufel.

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Manch einer schien im stummen Gebet zu verharren, oder aß sich einfach Mut und Kraft an.

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Das rächte sich natürlich am nächsten, dem Abreisetag. Nach dem Frühstück hatten sich Alle noch mal für den Felsen vom Vortag entschieden.

Erst wollten wir klettern und dann danach die Hütte auf- und ausräumen. Es wurde auch tapfer geklettert und neue Routen probiert, aber dann wurde recht schnell klar, die Luft war raus. Wir hatten Alles gegeben und den Rest der Kraft benötigten wir für den Rückweg nach Hause. Hier fordert diese mistige Krankheit einfach ihren Tribut und den muss jeder zollen, der Eine früher, der Andere später, aber erwischen tut es uns Alle.

Es war ein tolles Wochenende für uns. Da waren sicherlich einige „na, ob das klappt“ dabei, aber der Sieg gehört den Mutigen und als solche haben sich alle Kletterer erwiesen die dabei waren, jeder auf seine Weise.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass die Fahrt so in dieser Form nur möglich war, weil wir unglaubliche Hilfe bekamen. Die Hertie-Stiftung übernahm die komplette Hüttenmiete und die AOK übernahm fast den ganzen Rest. Auch die BEK fand sich zu guter Letzt noch mit einem Betrag ein, so dass diese Wochenende komplett bezahlt war.
Einen ganz, ganz herzlichen Dank an Frau Dr. Schipper vom DMSG-Landesverband NRW e.V. und der Hertie-Stiftung und Frau Feller von der AOK und zwar von der gesamten Truppe.

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Text: Peter