Ein Film über „MS“ mit Petra

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DAS FILMTEAM BEI DER ARBEIT

Jonas Hieronimus der Kameramann, Sabine Marina der Kopf und kreative Gestalter und Claudia Mattai del Moro, sie gibt den „Ton“ an.

Eigentlich ist es meine Sache, hier an dieser Stelle ein wenig zu schreiben. In diesem speziellen Fall aber möchte ich Sabine die Regisseurin zu Wort kommen lassen. Zum Einen, weil dies einen besseren Eindruck des Ganzen vermittelt und zum Anderen, weil wir da ganz gut bei weg kommen. Den fertigen Film seht ihr hier auf unserer Homepage unter „Presse, ein Film über MS, mit Petra“

Text: Peter

Der Dreh mit Petra

von Sabine Marina

Bäume und Schallschutzwände fliegen an uns vorüber. Auf der Fahrbahn neben uns stehen die Autos seit mehreren Kilometern. Donnerstag. Verlängertes Wochenende. A7. Aber wir wollen weder in den Süden, noch an die See. Wir wollen von Hamburg nach Wuppertal. Dieses Ziel teilen anscheinend Wenige, denn nach nur ein paar Stunden sitzen wir in der Wuppertaler Innenstadt in einem Restaurant und stärken uns vor dem Kennenlern-Treffen mit Petra.

Schon seit unseren Telefonaten versuche ich mir ein Bild von der Person zu machen, die da am anderen Ende sitzt und mit mir spricht. Wie unnötig, eigentlich. Aber wehren kann ich mich dagegen nicht. Wir biegen in eine gemütliche kleine Straße mit ganz zauberhaften Häusern und Vorgärten ein. Vor einem schönen Fachwerk stellen wir das Auto ab. Ja, hier muss es sein.

Wuppertaler Herzlichkeit

Ein freundlicher Mann öffnet uns die Tür und begrüßt uns. Petras Mann Peter ist sportlich. Ein Macher-Typ. Er bittet uns in die freundlich warme Wohnstube, wo Petra in einem Sessel – ihrem Sessel, wie wir später erfahren – auf uns wartet. Das erste, was mir an ihr auffällt, sind die strahlenden Farben, in die sie gekleidet ist. Wir setzen uns zusammen an einenTisch im Wintergarten und erzählen.

Schon nachdem die Getränke-Frage geklärt ist, wird mir bewusst, dass wir bereits angekommen sind. Der ungezwungene Tonfall, der lockere Umgang – wir fühlen uns als Team sofort aufgenommen und wohl bei Familie Weigel.

Als jemand, die noch nicht auf Hilfsmittel im Alltag angewiesen ist, fällt es mir bei anderen MS-lern zuhause normalerweise immer direkt ins Auge, was anders ist. Aber hier bei Petra ist alles so… normal. Da stehen nur ein Rollator vor dem Sessel und ein bunter Rollstuhl in der Ecke. Das Haus ist in warme Farben getüncht und strahlt eine irre Gemütlichkeit aus. Petra gesteht mir vor dem Interview, dass sie an manchen Tagen sehr schnell emotional wird. Wie sympathisch, denke ich spontan, denn mir geht es genauso.

Nach einem langen Gespräch und ein paar Außenaufnahmen werden wir von Peter und dem Sohn Flo bekocht. Eine ganz vorzügliche Paella wird uns serviert. Die ganze Stimmung ist so herzlich, dass ich zeitweise vergesse, dass ich eigentlich zum Arbeiten da bin. Es ist erfrischend das Ehepaar im Umgang miteinander zu beobachten – Peter nennt Petra gerne mal „faules Stück“, wenn er etwas holen soll – nie böse, sondern mit einer sehr gesunden Portion Humor auf beiden Seiten. Hut ab vor so viel Selbstironie.

Klettern mit den GäMSen

Am nächsten Tag begleiten wir Familie Weigel in die Kletterhalle. Peter klettert schon länger und hat seine Frau dazu animiert, dies auszuprobieren. Und damit sie nicht alleine klettern muss, hat er eine Klettergruppe für MS-Betroffene gegründet, die Wuppertaler GäMSen. Zweimal im Monat treffen sie sich nun und klettern mithilfe einiger engagierter Helfer, die die Kletternden sichern.

„Ich probier eigentlich eher aus. Abwarten gibt`s nicht, dazu ist das Leben zu kurz“ – Petra Weigel

Als wir in der Halle ankommen, wird sofort klar, dass diese Zusammenkunft mehr als eine Klettergruppe ist. Es wird sich geherzt, es wird gelacht, es wird geklönt. Nach ein paar Aufwärmübungen erklimmen sie abwechselnd verschiedene Routen an der Wand. Jeder, der kann, packt mit an und hilft, wenn es nötig ist. Diese Gruppendynamik saugt mich sofort mit ein. Ein paar Filmaufnahmen später hänge ich dann selbst an der Wand. Irgendwie muss ich das mal ausprobieren. Es ist anstrengend, aber macht unerwartet viel Spaß. Juhu, schon wieder ein neues potentielles Hobby!

„Wir sind eher wie Freunde. Die MS ist eigentlich kein großes Thema bei uns.“ – Petra Weigel

Afterwork-Gedanken

Obwohl es eigentlich nicht so geplant war, bleiben wir auch diesen Abend bei Petra und Peter und lassen den Dreh gemeinsam ausklingen. Mir schwirren sehr viele Gedanken im Kopf herum. Da sind die Eindrücke vom Klettern, die mir nicht nur im Kopf, sondern auch in den Muskeln stecken. Da ist diese tolle Familie, die uns so offen in ihre Mitte genommen hat. Da ist Petras Umgang mit der MS. Irgendwie anders als das, was ich bisher kennenlernen durfte, und doch so einleuchtend. Sie hat mir wieder einen neuen Blickwinkel eröffnet. Dafür kann ich nur einmal mehr Danke sagen.

Text: Sabine Marina