Tirol, Tirol – eine GäMSenfahrt

2018 ist ein überaus erfolgreiches Jahr für uns GäMSen. Nach dem 1 .Platz der Sterne des Sports auf Bundesebene, dem großen goldenen Stern mit toller Siegerehrung in Berlin und der erst kürzlich ausgelobten Nominierung für den Deutschen Engagementpreis 2018, geht es weiter steil bergauf. Da ist es nicht verwunderlich, dass genau dieses Jahr wieder eine große GäMSen-Fahrt anstand, deren Planung natürlich weit vor den diesjährigen Erfolgen begann.

Die GäMSen mit Moni und Toni, unseren Gastgebern im „Gurgeltalblick“

Die Wahl des Ortes fiel nach vorheriger Recherche und Erprobung auf Nassereith, einer kleinen Gemeinde des Bezirkes Imst in Tirol, Österreich.
Im Gasthof Gurgtalblick empfingen uns die zwei liebenswerten Gastwirte Moni und Toni, die uns 48 GäMSen mit Ihrer großen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit einen Bärendienst erwiesen und die Ihr Hotel in der Woche kurzerhand mit selbstgebauten Rampen und „allem-irgendwie-möglich-machen“ in eine wunderbare Herberge für uns wilden Haufen verwandelten. Vielen lieben Dank an euch und euer Team! Ihr seid spitzen Gastgeber!

Moni nimmt die von Andreas „Uhrenmeister“ selbstgemachte und berühmte GäMSen-Uhr entgegen

Der Mensch versucht meist den Vergleich zu Vergangenem zu ziehen und man ist geneigt, das eine mit dem anderen zu messen. Auch wir GäMSen unterliegen einer Entwicklung, einer Dynamik, als Gruppe und als Gemeinschaft und alles ist im steten Wandel und irgendwie anders und das gilt es auch immer so zu nehmen wie es kommt, ebenso, wie es unsere Erkrankung mit sich bringen kann. Und aus diesem Blickwinkel betrachtet, bot die Fahrt im Vergleich zu den Vorjahren viel Neues, viele neue Herausforderungen, nicht zuletzt dadurch, dass wir zu einer großen Truppe herangewachsen sind. Viele derjenigen die auch im Jamtal, unserer ersten Fahrt dabei waren konnten feststellen, dass es andere Möglichkeiten gibt wenn man in einem Ort, im Tal, umgeben von Bergen und zig Möglichkeiten, auf Mobilität und Flexibilität angewiesen und eingestellt sein muss. Im Jamtal 2015 hatten wir die Hütte auf dem Berg, unser Gebiet war klar abgesteckt und nun, 2018 boten sich uns Ausflusgziele an, die es in Anfahrtsweg, Tagesplan und persönlichem Rahmen zu organisieren und einzuschätzen galt.

Beginnen wir mit der Fahrt als solche. Für das Klettergebiet nicht angemessen schien ein großer gemeinsamer Bus zur Anfahrt und für die Vorort-Fahrten. Zu eingeschränkt wäre man gewesen und hätte nicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unsere Handicapler eingehen können. Mit Kleinbussen, 4 Stück an der Zahl und dem ein oder andere Privatfahrzeug waren wir bestens ausgerüstet und konnten individuell und parallel die angebotenen Tagesaktionen ansteuern.

Organisation ist alles – die morgendlichen Abfahrten bedurften einer aufwendigen und teils anstregenden Abfrage verschiedenster Punkte. Hat jeder das, was er für den Tag braucht? Braucht jemand Unterstützung beim Einladen? Wer fährt mit wem? – Und Überhaupt: Sind alle da?

Das führt uns direkt zu Punkt zwei, den

Tagesaktionen

Mit knapp 50 Menschen gar nicht so einfach und jeder bringt zudem eine andere Tagesform mit sich. Was macht man also? Man bietet verschiedene Pakete an und was sich tatsächlich wie der Traum eines Faultieres auf Wellness-Urlaub all inclusiv anhört, war bei uns GäMSen in der Woche Realität. Wozu habe ich heute Lust? Ich habe die freie Auswahl!

Unsere Helfern und Mitstreitern, den Planern und Nachdenkern, den Mutmachern und Vertrauenspersonen: Allen gilt unser riesen Dank!
Nichts ist selbstverständlich. Freizeit wird hergegeben, uns eine Auszeit, ein Erlebnis, neuen Mut zu schenken, – das ist nicht hoch genug zu schätzen und sollten wir ab und an einfach mal im Hinterkopf behalten, denn auch das ist eine Merkmal unserer Gruppe: Das soziale Miteinander, – dass was uns zusammenschweißt. Jeder nimmt sich hierfür ein Stück zurück, so und nur dann kann die Gemeinschaft gelingen.

Am ersten Tag nach der Anreise gab es eine erste gemeinschaftliche Aktion das Klettergebiet zu erkunden und allen den Eindruck zu geben, was uns in dieser Woche erwartet. Es ging an die Engelswand in das Klettergebiet Tumpen, einem anfängerfreundlichem Klettergebiet im benachbarten Ötztal. Nahegelegene WCs und eine recht ebenerdige Infrastruktur boten uns GäMSen einen guten Platz und ausreichend Routen, die wir bewältigen konnten.

Ankunft am Parkplatz des Klettergebietes Tumpen und ihrer Engelswand.
Der Weg zur Engelswand, bis auf etwas Schotter am Ende der asphaltierten Straße, gut zu erreichen.
Die Routen sind eingerichtet, die GäMSen sind „heiß“
Ausruhen für den Weltfrieden – oder ein jeder wird mal müd´ – Danke dir, Oh du Sonnensegel

Das zweite Klettergebiet tat sich in Längenfeld auf. Über einen kleinen Parkplatz mit Toilette, ging es über einen Trampelpfad  einer Kuhweide und parallel zu der benachbarten Ziegengehege zum Fels, der mit vielen Routen ebenfalls Spots bot, immer berücksichtigend, welcher Einstieg für wen unserer GäMSen machbar wäre. Ganz zauberhaft war die Umsicht unserer Helfer, jedem die Chance zu geben, nach seinen Möglichkeiten die Wand zu bezwingen. Unermüdlich wurde in den Routen gesichert, die Routen neu eingerichtet oder mit Rat und körperlichem Einsatz  manch eine „müde GaMS“ an die Wand gebracht.

Björn verteilt Kusshände…
…und der Rest schaut ihm dabei zu
Und dann kam auch noch ne Kuh – aber Karin hat mit ihr „geredet“ . Ein kleiner, sehr mutiger Stups und die Decke wurde nicht weiter angeknabbert.

Das unterschiedliche Potential der Gruppe im Blick wurde auch das Begehen eines Klettersteigs beim Stuibenfall ermöglicht. Man merkte der Truppe bei der Heimkehr an, dass sie an diesem Tag wundervolle Natur und große körperliche Leistung lohnend in Einklang brachten und man blickte in teils erschöpfte aber umso mehr selige Gesichter. Einen großen Dank an Thomas, der den Steig vorrausschauend und in Blick auf jeden der Teilnehmenden plante und den Tag für einige von uns unvergessen gemacht hat!

Drahtseil-Tanz über dem Wasserfall

Eine weitere Aktivität war der Pitztal-Gletscher, Tirols höchste Spitze. In der Gemeinde St.Leonhard gelegen, am Ende des Pitztals, ging es mit der Bergbahn hoch hinauf. Der Gletscher-Express beförderte uns auf die erste Plattform, auf 2840m, wo es dann mit der Wildspitzbahn, einer Gondel hinauf auf die Aussichtsplattform mit Rundumblick in die Bergwelt Tirols ging. Mit dem Rollstuhl die 3440m zu erreichen ist allein schon ein Erlebnis und schenkt einem einen unvergesslichen Moment trotz Behinderung, diese traumhafte Aussicht genießen zu können. Auf der Sonnenterrasse mit Panorama-Rundumsicht genossen wir diesen tollen Ausflug in vollen Zügen.

Der Gletscher-Express. Im Gepäckabteil fanden alle Rolli-Fahrer Platz, auch wenn der ein oder andere Rollator da noch Platz auf dem Schoß finden „musste“
Die Wildspitzbahn – die Gondeln wurden durch Mitarbeiter verlangsamt, jeder Rollifahrer und auch die Rollatoren-Gänger konnten bequem ein- und aussteigen
Toni – unser Mann für den Gletscher-Express
Bergpanorama auf 3440m

Bereicherungen

Die Gruppe wächst und das ist eine Bereicherung. Denn sie wächst nicht nur mit zauberhaften neuen und auch mal –Verzeihung- reiferen GäMSen  (euer Zuspruch für die Helfer und die spendierten Getränke war eine tolle Geste einmal Danke zu sagen- Eine klasse Aktion !!), die Gruppe wird auch in Bereichen erweitert, die ab davon liegen, Klettersport zu betreiben.

Ein neuer Bereich dieser Reise schaute auf die Seele unserer Menschen mit Behinderung. Wie geht es uns eigentlich? Was tun wir um uns zu entspannen? Wie halten wir Rückschläge aus? Wie können wir uns bestärken? Anke und ihr Mann André waren dieses Jahr unsere Gaststar-GäMSen in dieser Fragestellung. Anke bot als Heilpraktikerin für Psychotherapie ( Ihr erinnert euch an Petras Erfahrungsbericht ) ein tolles Programm, parallel zum Sportgedanken der Gruppe. Mit Meditation, Entspannung und der Möglichkeit zum persönlichen Gespräch, hatten wir GäMSen einen Zugewinn, für den wir uns ganz herzlich bedanken möchten.

Mit dem Rolli kneippen? Kein Problem!

In der Nähe des Hotels liegt ein Kneipp-Becken mitten im Wald. Gut auch mit dem Rollstuhl zu erreichen. Während an manchen Tagen viele von uns, das eiskalte Becken als neue Mutprobe sahen; Peter und Natascha sind die ungekrönten Langzeit-Steher dieses beißenden Teufelsbeckens, bot der Ort auch einmal die Möglichkeit eine „Berg-Mediation“ auszuprobieren. Wir stellten uns unseren Lieblingsberg vor und durch unsere Vorstellungskraft wurden wir zu diesem Berg, mit allem was einen Berg ausmacht: Massivität, Größe, Strahlkraft und Beständigkeit oder was eben ein jeder mit einem Berg assoziiert. Anke ist eine tolle Leitung für diese „Reisen“ und wir haben für uns viel mitnehmen können und Anregungen erhalten Entspannung und Achtsamkeitsübungen in unseren Alltag einfließen zu lassen. Ganz große Klasse, Anke und lieben Dank für deinen Einsatz!

Mitten im Wald – ganz entspannt
Zusammenfinden konnte man sich gut auf der Außenterasse des Hotels

War einer GaMS mal nicht nach sportlicher Aktivität boten sich auch in Nassereith selber Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Den Ortskern konnte man u.a. durch den Wald am Kneipp-Becken vorbei über ebenmäßigen Waldboden recht schnell erreichen. Dort fand man neben Supermarkt und Kiosk auch einen kleinen Badesee, der zur Erfrischung der müden Knochen beitrug und eine Eisdiele mit vielen leckeren Eiskreationen zur Auswahl.

Gemütliche Abende bei Gitarre und Klatsch gab es auch

Uns GäMSen war eine bunte Auswahl gegeben und wir konnten viele unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse mit nach Hause nehmen, jeder für sich und alle gemeinschaftlich. Auch in einer großen Runde findet jede GaMS ihren Halt und ihren Platz, dass jedes mal aufs Neue zu prüfen sollte in unserem aller Interesse sein. Eine letzte Abstimmung vor der Abreise hat ergeben, dass sich die GäMSen auch in Zukunft die Bergwelt von unten erschliessen wollen. Wir sind gespannt, welchen Ort wir uns beim nächsten Mal ansehen dürfen, vielleicht in 2021?