Unterwegs mit der „Joelette“

20160923_125004_frankenjura-mit-waigels

Von Prof. Joachim Boos, Experte für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der Klinik und Poliklinik Münster, kurz Achim genannt, bekam unsere Gruppe eine „Joelette“ geliehen, um herauszufinden, was man mit ihr machen kann und was nicht.

Auf dem Foto ist eine der möglichen „Joelette“, das ältere Modell, zu sehen. Ich würde sie so beschreiben wollen, eine Art Sänfte mit einem Rad in der Mitte. Hier ist schon die erste Ungenauigkeit, denn es gibt diese „Joelette“ auch mit zwei Rädern nebeneinander.

Bei dem von uns benutzten Modell ist das Aufsteigen für Gehbehinderte Menschen sicherlich sehr mühselig, da die Sitzfläche eine beachtliche Höhe aufweist. Überhaupt, wenn man die „Joelette“ das 1. Mal live und aufgebaut sieht, kommt sie einem erschreckend groß vor. Betrachtet man ihre luxuriöse Bauweise, die anatomisch angeformte Sitzfläche, die verstellbare Kopfstütze und den unter dem Sitz angebrachten Dämpfer wird schnell klar, dieses Teil ist für langes Sitzen konzipiert, was ihren Einsatz wohl in 1. Linie auf die Straße verlegt. Wir aber sind eine Klettergruppe und wollten ihre Einsatzmöglichkeit in mehr oder weniger schwerem Gelände testen.

Um es vorweg zu nehmen, die „Joelette“ ist bei Benutzung nicht annähernd so schwierig, wie es auf den 1. Blick scheinen mag, dennoch bedarf es einiger Übung, den Umgang mit ihr unter solch schwierigen Bedingungen zu erlernen. Dahingehend war ich aber von Achim gebrieft worden und ging dementsprechend vorsichtig an’s Werk.

Beginnen tut Alles mit dem Transport. Die „Joelette“ kann zerlegt werden, ist dann recht klein und kann in den meisten PKW Kofferräumen Platz finden. Wenn aber dieser Kofferraum schon mit anderen Hilfsmitteln belegt sein sollte, wie mit Rollstühlen und Rollatoren, so findet sie auch auf einem herkömmlichen Fahrradgepäckträger auf der Anhängerkupplung Platz.

img_0093

Vor Ort angekommen ist die „Joelette“ schnell aufgebaut und startfertig. Eine Person hat die hinteren Griffe in der Hand. Dort sind die Handbremse und die Griffhöhenverstellung zu bedienen. Ferner muss diese Person überwiegend für die Balance sorgen. Die fordere Person hat ein Zuggeschirr um und gleichzeitig die großen, vorderen Griffe der „Joelette“ in der Hand. Hier kommt auch schon die 1. Schwierigkeit, die sich im Gelände wohl am deutlichsten zeigt, der Vordermann bekommt sehr häufig die Fussstützen in den hinteren Teil der Füße gedrückt, was die Bewegungsfähigkeit bei großen Menschen stark einschränkt.

Die Höhenverstellung des hinteren Griffes hielt ich zu Beginn für eher unnötig. Schnell aber stellte sich heraus, das die Anpassung des hinteren Griffes die am häufigst genutzte Funktion wurde. Dadurch konnte die „Joelette“an besonders schwierigen Passagen auch problemlos angehoben und entspannt getragen werden, was die Fahrt für den Insassen deutlich sicherer macht. Wir waren zunächst leer unterwegs, um uns mit den möglichen Schwierigkeiten vertraut zu machen.20160923_120500_frankenjura-mit-waigels20160923_120710_frankenjura-mit-waigels 20160923_121634_frankenjura-mit-waigels20160923_121044_frankenjura-mit-waigels

Nach einigen Leerfahrten wollten wir einen „Dummy“ mitnehmen, eine gesunde Person, für den Fall der Fälle. Leider weigerte sich unser „Tester“ schon nach wenigen Metern, als es um die Durchfahrt einer gewaltigen Steigung ging. Anscheinend benötigt man als Passagier der „Joelette“ doch eine gehörige Portion Vertrauen zu den Sklaven, die das Teil bewegen.

So wurde aus der Pflicht sofort die Kür und unsere unerschrockene Petra musste aufsitzen, für sie hatten wir das Fahrzeug ja auch dabei. Um es kurz zu machen, es klappte Alles ganz hervorragend und nur an dem Abhang wurde Petra’s Gesicht etwas blasser. Wir nahmen diese Hürde nun aber auch rückwärts, was ihr das Problem des möglichen herausfallens nach vorne ersparte, anders als bei unserem „Dummy“.

20160923_143152_frankenjura-mit-waigels20160923_143228_frankenjura-mit-waigels

Als Resümee möchte ich sagen, die „Joelette“ist ein klasse Teil und ich würde sie sofort wieder mitnehmen, wenn sie weiterhin zur Verfügung stehen sollte. Trotzdem ist sie für unsere Aktivitäten in schwerem Gelände nicht das Richtige und ich möchte auch keine schwere Person in solchem Gelände transportieren müssen. Ausserdem erscheint mir die „Joelette“ für unseren Kurztransport mit ca. 3800€ für dieses Modell als zu kostspielig. Das neue, deutlich verbesserte Modell liegt noch etwas darüber. Aber für diesen Extremeinsatz kann ja die „Joelette“ nichts. Was dennoch gesagt werden kann ist, das die verbaute Trommelbremse wie ein Spielzeug wirkt. Selbst nachdem wir den Seilzug nachgestellt hatten, war ihre Funktion noch weniger als mässig. Das neue Modell ist aber mit einer Scheibenbremse ausgestattet, sodass dies kein Thema mehr sein sollte.

Für uns wünsche ich mir ein Hilfsmittel, womit im günstigsten Fall der vorhandene Rollstuhl aufgebockt werden kann, sodass er nicht separat noch an den Ort des Geschehens geschleppt werden muss, wenn die beförderte Person dort angekommen ist.

Für das Ausleihen und die damit verbundenen Erfahrungen, möchte ich mich bei Professor Joachim Boose (Achim) ganz herzlich bedanken. Ein so großzügiges Leihangebot, noch dazu kostenfrei wird es nicht allzu häufig geben.    Danke

Text: Peter